Wie das Omnibus-I-Paket der EU die Regeln für Sorgfaltspflichten in der Lieferkette verändert hat und welche Rolle JAGGAER dabei spielt.
Wenn Sie die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) seit ihrer Verabschiedung im Jahr 2024 verfolgt haben, ist Ihnen wahrscheinlich aufgefallen, dass sich die Rahmenbedingungen verschoben haben. Im Februar 2025 schlug die Europäische Kommission ein „Omnibus“-Paket vor, um die Nachhaltigkeitsberichterstattung insgesamt zu vereinfachen. Nach einem Jahr der Verhandlungen trat der finale Text im März 2026 in Kraft – und er hat den Anwendungsbereich und die Anforderungen der CSDDD deutlich reduziert.
Für Einkaufsleiter, die sich in den letzten zwei Jahren auf die CSDDD vorbereitet haben, stellt sich naturgemäß die Frage: Kann ich das Thema jetzt ad acta legen? Für die meisten lautet die Antwort: nicht ganz, aber die Art der Arbeit hat sich verändert, und es lohnt sich, diese Veränderung genauer zu betrachten.
Was sich tatsächlich geändert hat
Das Omnibus-Paket hat die CSDDD nicht gekippt – es hat sie neu kalibriert. Hier sind die fünf entscheidenden Änderungen:
- Deutlich kleinerer Betroffenenkreis. Der Schwellenwert liegt jetzt bei über 1,5 Milliarden Euro Nettoumsatz und mindestens 5.000 Mitarbeitenden – für EU-Unternehmen. Nicht-EU-Unternehmen müssen mehr als 1,5 Milliarden Euro EU-Umsatz erzielen. Was das bedeutet: Tausende Unternehmen, die sich bisher vorbereitet haben, fallen nun heraus.
- Gedeckelte Sanktionen. Bußgelder sind auf maximal 3 % des weltweiten Nettoumsatzes begrenzt – Schluss mit offenen, national definierten Strafrahmen. Das schafft mehr Planungssicherheit, nimmt aber nicht den Druck aus der Pflicht selbst.
- Kein Pflicht-Klimaplan mehr. Die Anforderung, einen formellen, am Pariser Abkommen ausgerichteten Transitionsplan zu verabschieden, entfällt. Eine der umstrittensten Auflagen der ursprünglichen Richtlinie – gestrichen.
- Mehr Zeit für alle. Mitgliedstaaten haben bis Juli 2028 zur Umsetzung ins nationale Recht. Unternehmen müssen erst ab Juli 2029 compliant sein. Kein Grund zur Eile – aber auch kein Grund, abzuwarten.
- Weniger Druck in die Tiefe der Lieferkette. Informationsanfragen an kleinere, nachgelagerte Lieferanten wurden reduziert. Die Sorgfaltspflicht endet früher in der Wertschöpfungskette als ursprünglich geplant.
Der Nettoeffekt: eine kleinere, spätere und risikoärmere Version derselben Grundidee – große Unternehmen müssen weiterhin Menschenrechts- und Umweltrisiken in ihren Wertschöpfungsketten identifizieren und angehen.
Warum der Einkauf weiterhin gefordert ist
Drei Dinge haben sich nicht geändert – und genau die sind für den Einkauf am wichtigsten:
- Wer betroffen ist, bleibt betroffen. Für die großen Unternehmen, die die Richtlinie nun adressiert, bleibt die Sorgfaltspflicht – identifizieren, bewerten, mindern, überwachen, berichten – inhaltlich unverändert. Weniger Unternehmen müssen dies tun, aber die betroffenen Unternehmen müssen es weiterhin gründlich umsetzen.
- Ihre Kunden können betroffen sein, auch wenn Sie es nicht sind. Viele mittelständische Unternehmen liegen selbst knapp unter den neuen Schwellenwerten, verkaufen aber an große Unternehmen, die von der Richtlinie erfasst sind. Diese Kunden werden weiterhin Due-Diligence-Fragebögen, Unterschriften zum Code of Conduct und Auditrechte entlang ihrer Lieferketten einfordern – Einkaufsteams überall müssen sich also weiterhin mit diesen Anfragen befassen, wenn auch mit weniger regulatorischem Druck im Hintergrund.
- Gesetze ändern sich. Risiken nicht. Das zugrunde liegende Risiko bleibt bestehen. Ein enger gefasstes Gesetz macht Zwangsarbeit, unsichere Arbeitsbedingungen oder Umweltschäden in der Lieferkette nicht weniger zu einem Reputations- und operativen Risiko. Investoren, Kunden und NGOs behalten das Thema weiterhin im Blick.
Kurz gesagt: Weniger Unternehmen tragen eine gesetzliche Pflicht — doch wer im Einkauf auf Lieferantenprüfung, Risikoklassifizierung, laufende Überwachung und Abhilfemaßnahmen verzichtet, verzichtet auf mehr als nur Compliance.
Welche Rolle JAGGAER dabei spielt
Genau hier zeigt eine Source-to-Pay-Plattform ihren Mehrwert. Statt Sorgfaltspflichten als nachträgliche Compliance-Übung zu behandeln, integriert JAGGAER sie direkt in den Beschaffungsworkflow:
Sorgfaltspflicht integriert ins Onboarding, nicht nachträglich angehängt.
Lieferanten-Due-Diligence, Compliance-Prüfungen und Rückverfolgbarkeit sind fester Bestandteil des Lieferanten-Onboardings statt ein separater, manueller Schritt – einschließlich vertiefter, kategoriespezifischer Rückverfolgbarkeit (z. B. Palmöl, Baumwolle) über spezialisierte Datenpartner.
Der gesamte Überblick an einem Ort.
Eine dedizierte Ansicht für „Sorgfaltspflichten in der Lieferkette“ steht direkt neben Lieferantenprofil, Leistungshistorie, Ausgabendaten und Verträgen, die Sie bereits erfassen – sodass der Due-Diligence-Status nicht irgendwo in einer Excel-Tabelle verschwindet.
Kontinuierliches Monitoring statt jährlicher Checkbox.
Automatisierte Datenerfassung und Echtzeit-Compliance-Prüfungen sorgen dafür, dass sich der Risikostatus von Lieferanten eigenständig aktualisiert, statt von einem jährlichen manuellen Prüfzyklus abhängig zu sein.
Eine dynamische ESG-Datenebene über Sourcing und Ausgaben hinweg.
ESG-Daten von Lieferanten – einschließlich Scope-3-Emissionen – werden zentralisiert, sodass sie tatsächlich in Sourcing-Entscheidungen einfließen können, statt nachträglich nur einen Bericht zu füllen.
Netzwerkintelligenz statt Kaltstart.
Neue strategische Lieferanten können anhand des bestehenden JAGGAER-Lieferantennetzwerks und externer Datenquellen bewertet werden, sodass Kunden nicht bei jedem neuen Onboarding erneut bei null anfangen müssen.
Das Fazit
Omnibus I hat die Liste der Unternehmen mit einer gesetzlichen Verpflichtung nach der CSDDD verkleinert – nicht aber die Liste der Unternehmen, deren Kunden, Investoren oder Reputation weiterhin verantwortungsvolles Sourcing erwarten.
Für Einkaufsteams, die diese Lücke überbrücken müssen, geht es nicht nur darum, eine enger gefasste Gesetzeslage einzuhalten. Es geht darum, Transparenz in der Lieferkette aufzubauen, die unabhängig davon Bestand hat, wo die regulatorische Grenze künftig verläuft.
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