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    Carbon Costs sind kein Nachhaltigkeitsthema mehr – sie sind ein P&L-Problem

    Carbon Costs sind kein Nachhaltigkeitsthema mehr – sie sind ein P&L-Problem

    Ich arbeite seit 27 Jahren in der Welt des ProcureTech. Ich habe viele Trends kommen und gehen sehen, viele Versprechen gehört, und ja – ich habe selbst genug Fehler gemacht, um heute daraus zu lernen. Und wenn ich eines in letzter Zeit immer wieder erlebe, dann dieses: Unternehmen, die wirklich gut aufgestellt sind – erfahrene Procurement-Teams, solide Prozesse, gute Systeme – realisieren gerade, dass die Zahlen längst für sich sprechen.

    Das Problem: Die Uhr läuft schon seit Jahren.

    Solange es nicht wehtut, passiert nichts

    Das ist keine Kritik – es ist menschlich. CPOs sind getrieben von Kostendruck, Liefersicherheit, Qualität. Carbon war lange ein Thema, das im Nachhaltigkeitsbericht landete, aber selten im Budget. Kein direkter Kostenimpact, keine Dringlichkeit. Also wurde es delegiert, vertagt, oder mit einem ESG-Fragebogen an die Lieferanten weitergereicht.

    Das Problem: CBAM und ETS ändern diese Logik fundamental. Zum ersten Mal entstehen durch Carbon direkte, messbare Kosten – auf der Einkaufsrechnung, in der GuV, in der Marge. Und plötzlich ist es kein Nachhaltigkeitsthema mehr. Es ist ein Procurement-Thema.

    Laut einer aktuellen Deloitte-Analyse werden die zusätzlichen Kosten für importierten Stahl allein durch CBAM im Jahr 2026 bei rund 550 Euro pro Tonne liegen. Für ein typisches Fertigungsunternehmen mit 5 Milliarden Euro Umsatz bedeutet das bereits heute eine achtstellige CBAM-Exposure – und das ist nur CBAM. Wer auch die Auswirkungen anderer ETS-Mechanismen weltweit einrechnet – China, Brasilien, weitere Märkte – kommt schnell in neun- oder zehnstellige Bereiche ab 2027.

    Ich rede hier nicht von Szenarien. Ich rede von Fakten.

    Warum das kein Nachhaltigkeitsthema ist

    Viele Unternehmen haben Carbon bisher in der Sustainability-Abteilung geparkt. ESG-Report, Checkbox, fertig. Das war vielleicht vor drei Jahren noch vertretbar. Heute nicht mehr.

    CBAM und ETS sind direkte Kostengößen. Sie landen in der GuV. Nicht irgendwann – jetzt.

    Was passiert konkret? Eure Tier-1-Lieferanten zahlen mehr, weil ihre Vorprodukte teurer werden. Die geben das weiter. Eure Tier-2- und Tier-3-Lieferanten tun dasselbe. Schritt für Schritt wandern die Kosten durch die gesamte Lieferkette und landen am Ende bei euch, in eurer Produktmarge.

    Wer heute noch mit dem Gedanken spielt, das „nachstes Jahr anzugehen“, dem sage ich aus Erfahrung: Der Preis der Untätigkeit ist deutlich höher als der Preis des Handelns.

    Das eigentliche Problem: Niemand kennt seine Zahlen

    Was mich bei Kundengesprächen am meisten überrascht, ist nicht das Ausmaß der Exposure. Es ist, dass so gut wie niemand seine eigenen Zahlen kennt.

    Wir reden bei direktem Einkauf schnell von 500.000 bis 700.000 einzelnen Teilenummern, 10.000 bis 30.000 Lieferanten, Hunderten von Standorten weltweit. Wer soll da den Überblick haben, welches Teil welchen CO2-Fußabdruck mitbringt, woher der Lieferant seinen Stahl bezieht, und was das unter dem aktuellen ETS-Preis kostet?

    Die ehrliche Antwort: Heute macht das kaum jemand. Es ist zu viel Datenarbeit, zu viele Systeme, zu viele Annahmen. Das Ergebnis ist Raten statt Wissen. Und auf Basis von Raten kann kein CFO Rückstellungen bilden, kein CPO fundierte Sourcing-Entscheidungen treffen.

    Genau das ist der Grund, warum wir bei JAGGAER in den letzten 12 bis 18 Monaten eine klare Nachfrage sehen: Manufacturing-Unternehmen, die verstehen wollen, was ihre Carbon-Kosten wirklich sind – auf Teile-Ebene, auf Lieferantenebene, in Echtzeit.

    Was ich mir für Procurement-Teams wünsche

    Nach all den Jahren in dieser Branche habe ich eine klare Meinung: Procurement muss das Thema Carbon Costs aktiv übernehmen. Nicht delegieren, nicht abwarten.

    Das bedeutet konkret:

    Erstens: Transparenz schaffen. Welche Materialien, welche Lieferanten, welche Regionen sind am stärksten exponiert? Ohne diese Datenbasis ist alles andere Spekulation.

    Zweitens: Carbon in den Sourcing-Prozess integrieren. CO₂-Kosten gehören in den Cost Breakdown, in die Total Value of Ownership Berechnung, in die Lieferantenbewertung. Nicht als Pflichtfeld – als echte Entscheidungsgröße.

    Drittens: Den Dialog mit dem CFO suchen. Procurement-Teams, die heute monatlich mit ihrem CFO über Carbon-Rückstellungen sprechen, sind nicht die Ausnahme – sie sind die Vorreiter. Die anderen werden folgen müssen.

    Viertens: Daten konsolidieren und bereinigen. Bevor man Carbon Costs berechnen kann, muss man wissen, was man überhaupt einkauft – sauber, vollständig, systemübergreifend. Materialstämme, Stücklisten, Lieferantendaten, Einkaufshistorie: all das muss zusammenpassen. JAGGAER hat dafür alle Werkzeuge – von der Stammdatenkonsolidierung bis zur Lieferantenklassifikation. Das ist keine glamouröse Aufgabe. Aber sie ist die Voraussetzung für alles andere.

    Für all das braucht es verlässliche Daten – auf Teile- und Lieferantenebene, nicht als Schätzung. Genau deshalb arbeiten wir mit carbmee zusammen: nicht als Ergänzung zum Procurement-Prozess, sondern als Grundlage dafür.

    Fazit

    Carbon Costs sind keine zukünftige Bedrohung. Sie sind eine heutige Realität, die sich in den nächsten zwei bis drei Jahren dramatisch beschleunigen wird.

    Die Frage ist nicht ob sie kommen. Die Frage ist, ob euer Unternehmen vorbereitet ist.

    Ich habe in meiner Karriere viele Dinge zu spät angegangen. Dieses hier würde ich nicht dazuzählen wollen.

    Sie möchten tiefer einsteigen?

    Im gemeinsamen Webinar mit carbmee zeigen wir konkret, wie Unternehmen ihre Carbon-Exposure heute schon sichtbar machen.

    Quelle: Deloitte Sustainability Briefing – CBAM, 2026